Nachfüllset DIN 13157: was wann ersetzt werden muss

Von <Autorname> · Fachlich geprüft von <Name, Qualifikation> · Zuletzt geprüft: Oktober 2026

Kurz gesagt: Ein abgelaufener Verbandkasten braucht in den meisten Fällen kein neues Behältnis, sondern nur eine neue Füllung. Steriles Material ist in der Regel fünf Jahre haltbar; maßgeblich ist das aufgedruckte Datum. Ist es überschritten, entspricht der Inhalt nicht mehr den Mindestanforderungen der Norm. Nehmen Sie für einen kleinen Kasten ein Nachfüllset DIN 13157, für einen großen ein Nachfüllset DIN 13169 — und nicht ein kleines Set für einen großen Kasten.


Warum überhaupt nachfüllen?

Zwei Regeln aus der ASR A4.3, die unabhängig voneinander greifen:

Verbrauchtes Material ist unverzüglich zu ersetzen. Nach jeder Benutzung. Ein Kasten, aus dem jemand drei Pflaster und eine Kompresse genommen hat, ist nicht mehr vollständig und damit nicht mehr normgerecht — auch wenn das Haltbarkeitsdatum noch Jahre läuft.

Abgelaufenes Material ist zu ersetzen. Steriles Material verliert die garantierte Keimfreiheit, Pflaster verlieren die Klebkraft. Beides lässt sich von außen nicht erkennen, deshalb arbeitet die Norm mit Datum statt mit Augenschein.

Dazu kommt die Aufbewahrungspflicht: Erste-Hilfe-Material ist vor Verunreinigung, Feuchtigkeit und Hitze geschützt zu lagern. Ein Rucksack, der ein Jahr im Sommerfahrzeug lag, kann vor Ablauf des Datums unbrauchbar sein.


Was verfällt und was nicht

Verfällt Verfällt nicht
Wundkompressen, Augenkompressen Verbandkastenschere
Verbandpäckchen K, M, G Inhaltsverzeichnis
Verbandtuch Erste-Hilfe-Broschüre (aber: inhaltlich veraltet ersetzen)
Wundschnellverbände, Pflasterstrips, Fingerverbände, Heftpflaster
Fixierbinden, Dreiecktücher
Medizinische Handschuhe
Gesichtsmasken
Feuchttücher
Kälte-Sofortkompresse, Rettungsdecke — Herstellerangabe prüfen

Der Praxisschluss daraus: Von 25 Positionen der DIN 13157 haben nur drei kein Verfallsdatum. Genau deshalb ist ein Nachfüllset die richtige Antwort und ein kompletter Neukauf fast immer die teurere.

Pflaster zusätzlich jährlich prüfen. Unabhängig vom aufgedruckten Datum lohnt ein jährlicher Griff an die Pflasterartikel: Wenn die Klebefläche nicht mehr greift, ist das Pflaster unbrauchbar, auch wenn das Datum noch läuft. Wärme beschleunigt das.


Welches Set für welchen Kasten

Ihr Kasten Richtiges Set
kleiner Kasten / „Verbandkasten C“ / 85-teilig 1 × Nachfüllset DIN 13157
großer Kasten / „Verbandkasten E“ / 167-teilig 1 × Nachfüllset DIN 13169
zwei kleine Kästen als Ersatz für einen großen 2 × Nachfüllset DIN 13157
Kfz-Verbandkasten 1 × Nachfüllset DIN 13164 — nicht DIN 13157, die Schere und das Sortiment unterscheiden sich
Erste-Hilfe-Rucksack mit DIN-Füllung das Set der Norm, die auf dem Rucksack angegeben ist

Der Fehler, der am häufigsten passiert: einen großen Kasten mit einem einzigen kleinen Nachfüllset auffüllen. Ein Behältnis mit der Aufschrift DIN 13169 muss auch inhaltlich der DIN 13169 entsprechen — das ist die doppelte Menge. Die Auskunftsstelle KomNet hat auf genau diese Frage bestätigt, dass ein Kasten nach DIN 13169 wieder nach DIN 13169 aufzufüllen ist. Das Behältnis entscheidet nicht, der Inhalt entscheidet.

Vollständige Mengenvergleiche: DIN 13157 oder DIN 13169


Die Prüfung in fünf Schritten

(als HowTo-Schema auszeichnen)

  1. Inhaltsverzeichnis herausnehmen. Es liegt in jedem normgerechten Kasten und ist Ihre Soll-Liste. Fehlt es, laden Sie die Liste der Norm herunter, die Ihr Kasten angibt.
  2. Alles ausräumen und nach Positionen sortieren. Im Kasten zu zählen führt zu Fehlern, weil Sets in Druckverschlussbeuteln verpackt sind.
  3. Datum auf jeder sterilen Einzelpackung prüfen, nicht nur auf dem Kasten. Die Packungen haben unterschiedliche Herstellungsdaten, besonders nach einer früheren Teilnachfüllung.
  4. Mit dem Soll abgleichen und Fehlbestand notieren.
  5. Prüfung dokumentieren: Datum, Name, Befund. Eine Zeile genügt.

Dokumentation ist der Punkt, an dem es bei Begehungen scheitert — nicht die Vollständigkeit. Ein Kasten mit Prüfliste an der Innenseite des Deckels zeigt, dass es ein Verfahren gibt. Ein vollständiger Kasten ohne jede Aufzeichnung zeigt nur, dass er heute zufällig vollständig ist.

Intervall: Mindestens einmal jährlich eine vollständige Prüfung, zusätzlich nach jeder Benutzung. Praktikabel ist ein fester Termin, etwa gekoppelt an die ohnehin anstehende Sicherheitsbegehung oder die Ersthelfer-Fortbildung.


Was die Kosten über zehn Jahre bestimmt

Beim Erste-Hilfe-Material ist der Anschaffungspreis der kleinere Teil der Rechnung. Über zehn Jahre fallen bei durchgehender Normkonformität typischerweise zwei Nachfüllungen an — mehr, wenn Material verbraucht wird. Vier Faktoren entscheiden, was das kostet:

1. Restlaufzeit beim Kauf. Sterilmaterial ist ab Herstellung datiert, nicht ab Kauf. Ein Set aus einem Lager mit langer Standzeit kann bereits ein oder zwei Jahre verbraucht haben. Fragen Sie bei größeren Bestellungen nach dem Haltbarkeitsdatum, bevor Sie bestellen — bei zwanzig Kästen verschiebt das den nächsten Beschaffungstermin um Jahre.

2. Verfügbarkeit des Nachfüllsets. Prüfen Sie, ob es für Ihren Kasten überhaupt ein Set gibt. Bei Eigenmarken ohne Nachfüllprogramm zahlen Sie beim nächsten Mal das komplette Behältnis mit. Das ist der eigentliche Grund, warum ein günstiger Kasten teuer werden kann.

3. Einheitlichkeit im Betrieb. Fünf Kästen derselben Norm und desselben Herstellers bedeuten eine Bestellung, ein Haltbarkeitsdatum, ein Prüftermin. Fünf verschiedene bedeuten fünf Termine — die Arbeitszeit dafür übersteigt die Materialkosten schnell.

4. Lagerort. Hitze verkürzt die reale Nutzbarkeit, auch wenn das Datum weiterläuft. Ein Kasten in der Halle neben dem Ofen oder im Fahrzeug wird früher fällig als einer im Flur.

Die praktische Konsequenz: Vergleichen Sie nicht den Kaufpreis zweier Kästen, sondern Kaufpreis plus zwei Nachfüllungen. Ein Markenkasten mit dauerhaft verfügbarem Nachfüllset und langer Restlaufzeit ist über zehn Jahre regelmäßig günstiger als die billigere Variante, die beim ersten Ablauf komplett ersetzt werden muss.


Beschaffung für mehrere Standorte

Wenn Sie nicht einen, sondern zehn oder fünfzig Kästen betreuen, ändert sich die Aufgabe von „nachfüllen“ zu „Termine verwalten“. Was sich bewährt:

  • Eine Liste mit Standort, Norm, Haltbarkeitsdatum und letzter Prüfung. Eine Tabelle genügt; entscheidend ist, dass das früheste Datum sichtbar ist.
  • Alle Kästen eines Standorts auf dieselbe Norm bringen. Zwei kleine statt eines großen ist dabei oft die bessere Wahl, weil es gleichzeitig die 100-Meter-Regel erfüllt.
  • Nachfüllsets auf Vorrat nur begrenzt — sie laufen im Lager mit ab.
  • Verbrauch beobachten. Ein Kasten, der ständig leer ist, ist ein Hinweis auf eine Unfallschwerpunkt und gehört in die Gefährdungsbeurteilung, nicht nur in die Bestellliste.

Wie viele Kästen Ihr Betrieb braucht: Erste-Hilfe-Ausstattung im Betrieb nach ASR A4.3


Häufige Fragen

(als FAQPage-Schema auszeichnen)

Wie lange ist Erste-Hilfe-Material haltbar? Steriles Material ist in der Regel fünf Jahre ab Herstellung haltbar. Maßgeblich ist immer das aufgedruckte Datum auf der jeweiligen Einzelpackung, nicht das Kaufdatum und nicht ein Aufkleber auf dem Kasten.

Muss ich den ganzen Verbandkasten ersetzen, wenn er abgelaufen ist? In der Regel nicht. Nur drei der 25 Positionen der DIN 13157 haben kein Verfallsdatum — Schere, Inhaltsverzeichnis und Anleitung. Alles andere ersetzen Sie mit einem Nachfüllset; das Behältnis selbst können Sie weiterverwenden, solange es unbeschädigt ist und den Inhalt vor Staub, Feuchtigkeit und Hitze schützt.

Was passiert, wenn das Material abgelaufen ist? Der Inhalt entspricht dann nicht mehr den Mindestanforderungen der Norm. Im Betrieb ist das ein Mangel im Arbeitsschutz, im Fahrzeug kann es bei einer Kontrolle beanstandet werden und gilt bei der Hauptuntersuchung als Mangel.

Wie oft muss ich den Verbandkasten prüfen? Nach jeder Benutzung sofort, zusätzlich mindestens einmal jährlich vollständig. Pflasterartikel prüfen Sie dabei auf Klebkraft, unabhängig vom Datum.

Darf ich einzelne Teile nachkaufen statt ein ganzes Set? Ja. Entscheidend ist, dass der Kasten am Ende die Soll-Mengen der angegebenen Norm vollständig enthält. Bei mehreren abgelaufenen Positionen ist ein komplettes Set meist günstiger und bringt zudem ein einheitliches Haltbarkeitsdatum, was die nächste Prüfung vereinfacht.

Welches Set brauche ich für meinen Erste-Hilfe-Rucksack? Das Set der Norm, die der Rucksack angibt — meist DIN 13157. Steht keine Norm darauf, handelt es sich nicht um normierte Ausstattung; für betriebliche Zwecke ist dann die Füllung nach der geforderten Norm zu ergänzen.

Kann ich ein Nachfüllset DIN 13157 für den Autoverbandkasten nehmen? Besser nicht. Der Kfz-Kasten folgt der DIN 13164 mit anderem Pflastersortiment, drei breiten Fixierbinden, nur einem Dreiecktuch und einer kürzeren Schere. Nehmen Sie ein Nachfüllset DIN 13164.

Gilt das auch für Kitas und Schulen? Ja. Für Kindertageseinrichtungen und Schulen gelten dieselben Normen DIN 13157 und DIN 13169. Die Prüf- und Ersatzpflichten sind identisch; wegen häufiger kleiner Verletzungen ist der Pflasterverbrauch dort nur deutlich höher.


Rechtlicher Hinweis: Angaben geben den Stand Oktober 2026 wieder und sind keine Rechtsberatung. Verbindlich sind die jeweils aktuellen Fassungen der ASR A4.3 und der genannten Normen. Für verbindliche Auskünfte zu Ihrem Betrieb ist Ihr Unfallversicherungsträger die richtige Stelle.

Quellen

  • ASR A4.3 „Erste-Hilfe-Räume, Mittel und Einrichtungen zur Ersten Hilfe“, BAuA — Punkt 4 zu Bereitstellung, Ersatz und Aufbewahrung
  • DGUV Information 204-022 „Erste Hilfe im Betrieb“, 5.3.1 Erste-Hilfe-Material
  • DGUV: Auflistung „Erste-Hilfe-Material“, Stand Februar 2022
  • KomNet (Arbeitsschutz NRW), Dialog 44062: Befüllung eines großen Verbandkastens
  • DIN 13157:2021-11, DIN 13169:2021-11, DIN 13164:2022-02
  • ADAC: „Verbandkasten im Auto“ — Haltbarkeit und Beanstandung
  • Abgerufen am 03.10.2026