Stromausfall vorbereiten: was ausfällt und was wirklich hilft

Redaktion · Zuletzt geprüft: Oktober 2026 Kurz gesagt: Bei einem Stromausfall fallen mehr Dinge aus, als man erwartet – nicht nur Licht und Herd, sondern auch Heizung, Mobilfunk, Internet, Kartenzahlung, Geldautomaten und, wenn es länger dauert, die Wasserversorgung. Die vier Dinge, die Sie vorher erledigen sollten: Taschenlampe und Batterien, ein batterie-, solar- oder kurbelbetriebenes Radio, Bargeld in kleinen Scheinen und ein Wasser- und Lebensmittelvorrat. Alles andere ist Komfort.

Was tatsächlich ausfällt

Das Unterschätzte ist nicht der Stromausfall selbst, sondern seine Kettenwirkung. Die Übersicht des BBK:

BereichWas passiert
LichtDie Lampen bleiben aus.
KochenDer Elektroherd bleibt aus. Ein Gasherd funktioniert oft weiter.
KühlungDer Kühlschrank geht aus.
WärmeDie Heizung bleibt aus – auch Gas- und Ölheizungen, weil Steuerung und Pumpe Strom brauchen.
Internet und MobilfunkOhne Strom oder funktionierende digitale Systeme fällt das Mobilfunknetz aus. Kein Internet, kein Telefonieren.
InformationFernseher und Radio am Netz bleiben aus.
Trinken und WaschenEs kommt kein Wasser aus der Leitung – Wasserwerke benötigen Strom und digitale Systeme.
ZahlungsverkehrKartenzahlung, Handy-Bezahlung und Geldautomaten funktionieren nicht.

Der entscheidende Punkt ist der zweitletzte: Wasser ist strom­abhängig. Viele rechnen mit Dunkelheit und kaltem Essen, aber nicht damit, dass der Hahn trocken bleibt.

Und der letzte: Ohne Kartenzahlung und Geldautomat ist Bargeld die einzige Zahlungsmöglichkeit – und zwar in kleinen Scheinen, weil niemand wechseln kann.

Laterne, Radio und Powerbank im Wohnzimmer bei Stromausfall

Die Checkliste

Nach Priorität, nicht nach Kategorie.

Licht und Wärme

PositionHinweis
☐Taschenlampe + ErsatzbatterienStirnlampe ist besser: beide Hände frei. Kerzen nur unter Aufsicht – Brandgefahr
☐Kerzen und Feuerzeug oder Streichhölzer
☐Warme Kleidung und Decken, SchlafsäckeDie einfachste und wirksamste Maßnahme gegen Kälte
☐Netzunabhängige HeizgelegenheitGasheizer, Petroleumofen oder Ethanolkamin – nur für Innenräume zugelassene Geräte
☐Brennstoff dafür

Wenn die Heizung ausfällt: Fenster und Türen geschlossen halten, damit die Räume nicht auskühlen – aber regelmäßig stoßlüften, also Fenster für wenige Minuten ganz weit öffnen. Das verbessert die Luftqualität ohne großen Wärmeverlust. Ein Raum, in dem sich alle aufhalten, bleibt länger warm als die ganze Wohnung.

Information und Kommunikation

PositionHinweis
☐Radio: Batterie, Solar oder KurbelDer wichtigste Posten. Fällt Mobilfunk aus, fallen Warn-Apps aus – Radio funktioniert weiter. Auch das Autoradio zählt
☐Ersatzbatterien dafür
☐Warn-App NINA installiertJetzt installieren, nicht im Ernstfall
☐Aufgeladene PowerbankZweimal im Jahr nachladen
☐Telefonnummern auf PapierOhne Handy haben Sie keine Kontakte

Wo Sie Informationen bekommen: Es ist hilfreich, vorher zu wissen, wo man sich vor Ort informieren kann – etwa Rathäuser oder Notfalltreffpunkte. Diese einmal nachzuschauen kostet fünf Minuten.

Wenn 110 und 112 nicht funktionieren: Gehen Sie bei einem Notfall, wenn möglich, zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus. Das ist die ausdrückliche Empfehlung des BBK – und etwas, worauf im Ernstfall niemand von selbst kommt.

Essen, Trinken, Kochen

Position
☐Trinkwasser: 2 Liter pro Person und Tag (3 Personen = 60 l für 10 Tage)
☐Haltbare Lebensmittel, möglichst ohne Kochen essbar
☐Alternative Kochgelegenheit und Brennstoff
☐Wasserbehälter für Brauchwasser (Toilette, Waschen)
☐Futtervorrat für Haustiere

Mengen und Rotation im Detail: Notvorrat für 10 Tage

Kühlschrank und Gefriertruhe: Geschlossen halten. Ein voller Gefrierschrank hält deutlich länger als ein halb leerer. Nicht ständig nachsehen – jedes Öffnen kostet Kälte.

Sicherheit

PositionHinweis
☐Kohlenmonoxid-MelderWenn Sie mit Gas, Petroleum oder offener Flamme heizen oder kochen: der sinnvollste Einzelkauf überhaupt
☐Rauchwarnmelder, Batterien geprüft
☐Feuerlöscher oder Löschspray, Brandklasse F für Fettbrände
☐Bargeld in kleinen Scheinen und Münzen

Kohlenmonoxid ist die reale Gefahr bei längeren Stromausfällen – nicht Plünderungen. Jedes Jahr vergiften sich Menschen, die mit Grills oder nicht zugelassenen Geräten in Innenräumen heizen oder kochen. CO ist farb- und geruchlos: Sie bemerken es nicht. Nutzen Sie in Innenräumen ausschließlich Geräte, die dafür zugelassen sind, und installieren Sie einen geprüften CO-Melder.

Was in den ersten Minuten zu tun ist

  1. Prüfen, wie groß der Ausfall ist. Sind nur Ihre Lichter aus oder die der Nachbarn und die Straßenbeleuchtung auch? Bei einem lokalen Problem: Sicherungskasten prüfen.
  2. Radio einschalten. Batterie-, Kurbel- oder Autoradio. Hier kommen amtliche Informationen.
  3. Große Verbraucher ausschalten – Herd, Bügeleisen, Heizlüfter. Beim Wiedereinschalten des Netzes verhindert das Überlastung und Brandgefahr.
  4. Kühlschrank und Gefrierschrank geschlossen lassen.
  5. Nachbarn prüfen, besonders ältere Menschen und solche, die auf stromabhängige Geräte angewiesen sind.
  6. Handy-Akku schonen: Flugmodus, Display dunkel, nur gelegentlich nach Nachrichten sehen.
  7. Fenster und Türen zu, wenn es kalt ist – mit regelmäßigem Stoßlüften.

Besondere Situationen

Stromabhängige medizinische Geräte. Beatmungsgeräte, Sauerstoffkonzentratoren, elektrische Pflegebetten, Kühlung für Medikamente wie Insulin. Wer darauf angewiesen ist, braucht einen Plan vorher: Ersatzbatterien, Ladegeräte, und ein Gespräch mit dem Hausarzt und dem Netzbetreiber. Viele Netzbetreiber führen Listen besonders betroffener Haushalte.

Das BBK empfiehlt zusätzlich, mit dem Umfeld – Nachbarschaft, Familie, Freundeskreis – zu besprechen, wie man Sie unterstützen kann.

Vorsorge für Senioren und Pflegebedürftige

Aufzüge und elektrische Türen. Bei Stromausfall nicht nutzbar. Wer in einer oberen Etage wohnt, denkt das besser mit.

Elektroauto. Ladesäulen funktionieren nicht. Ein grundsätzlich halbwegs geladener Akku ist bei angekündigten Unwetterlagen keine schlechte Angewohnheit.

Heizung mit Gas oder Öl. Fällt trotzdem aus, weil Steuerung und Umwälzpumpe Strom brauchen. Das überrascht viele.

Was Sie nicht brauchen

Dieser Suchbegriff zieht viele Angebote an, deshalb zur Einordnung:

„Blackout-Pakete“ und Komplettsets. Meist teuer, oft mit Dingen, die Sie haben oder nicht brauchen. Zusammenstellen nach der Checkliste oben ist günstiger und passt besser.

Notstromaggregat. Für die allermeisten Haushalte überdimensioniert, laut, teuer, braucht gelagerten Brennstoff und darf nicht in Innenräumen laufen – ebenfalls wegen Kohlenmonoxid. Eine Powerbank plus warme Decken löst das realistische Problem.

Alarmistische Szenarien. Vorsorge für einen Stromausfall ist keine Vorbereitung auf gesellschaftlichen Zusammenbruch. In den Empfehlungen des BBK geht es um Licht, Wärme, Essen, Information und Zahlungsmittel. Das BBK widmet Desinformation ein eigenes Kapitel und nennt ein brauchbares Erkennungsmerkmal: Je dramatischer eine Meldung ist, desto häufiger wird sie verbreitet – und desto häufiger wird dieser Effekt für absichtlich falsche Informationen genutzt.

Taschenlampe, Powerbanks und Radio als Stromausfall-Set

Häufige Fragen

Was fällt bei einem Stromausfall alles aus? Licht, Elektroherd, Kühlschrank und Heizung – auch Gas- und Ölheizungen, weil Steuerung und Pumpe Strom brauchen. Außerdem Mobilfunk und Internet, Fernsehen und netzgebundenes Radio, Kartenzahlung und Geldautomaten. Dauert der Ausfall länger, kann auch die Wasserversorgung ausfallen, weil Wasserwerke Strom und digitale Systeme benötigen.

Was brauche ich mindestens? Taschenlampe mit Ersatzbatterien, ein batterie-, solar- oder kurbelbetriebenes Radio, Bargeld in kleinen Scheinen sowie Wasser- und Lebensmittelvorrat. Dazu warme Decken und eine aufgeladene Powerbank.

Kann ich bei Stromausfall heizen? Mit netzunabhängigen Geräten, die für Innenräume zugelassen sind – etwa Gasheizer, Petroleumofen oder Ethanolkamin. Nicht zugelassene Geräte, Grills oder offenes Feuer erzeugen in Innenräumen lebensgefährliches Kohlenmonoxid. Ein CO-Melder ist dringend zu empfehlen. Einfacher und sicher: warme Kleidung, Decken und Schlafsäcke.

Wie lange hält der Gefrierschrank? Das hängt von Füllstand und Gerät ab – voll hält deutlich länger als halb leer. Entscheidend: geschlossen halten und nicht nachsehen.

Woher bekomme ich Informationen? Über ein batterie-, solar- oder kurbelbetriebenes Radio oder das Autoradio; Radiosender funktionieren auch bei Ausfall von Mobilfunk und Internet. Vor Ort informieren Rathäuser und Notfalltreffpunkte. Funktionieren 110 und 112 nicht, gehen Sie im Notfall zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus.

Brauche ich ein Notstromaggregat? Für die meisten Haushalte nein – es ist teuer, laut, braucht gelagerten Brennstoff und darf wegen der Abgase nicht in Innenräumen betrieben werden. Powerbank, Radio, Taschenlampe und warme Decken deckt das realistische Bedürfnis ab.

Was ist mit stromabhängigen medizinischen Geräten? Wer auf Beatmungsgeräte, Sauerstoffkonzentratoren oder gekühlte Medikamente angewiesen ist, sollte vorher mit Hausarzt und Netzbetreiber sprechen, Ersatzbatterien und Ladegeräte vorhalten und mit dem Umfeld besprechen, wer wie unterstützen kann.

Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Wer auf stromabhängige medizinische Geräte oder gekühlte Medikamente angewiesen ist, bespricht die Vorsorge mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Im Notfall: 112.

Quellen

  • BBK: „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“, 2. Auflage, Stand 11/2025 – Kapitel „Wenn der Alltag unterbrochen wird“, „In der Krise informiert sein“, „Ohne Strom kochen“, „Wenn die Heizung ausfällt“, „Vertrauenswürdige Informationen erkennen“, Checkliste
  • Abgerufen am 02.10.2026