Redaktion · Zuletzt geprüft: Oktober 2026 Kurz gesagt: Packen Sie ein Notgepäck pro Person, nicht eines für die Familie – sonst trägt einer alles und bei Trennung hat niemand das Richtige. Für Kinder kommen drei Dinge hinzu, die bei Erwachsenen fehlen: eine SOS-Kapsel oder ein Brustbeutel mit Name, Geburtsdatum und Anschrift, ein vertrauter Gegenstand zur Beruhigung, und ein vereinbarter Treffpunkt, den das Kind selbst kennt. Das Gespräch darüber ist wichtiger als die Ausrüstung.
Die Grundregel: ein Rucksack pro Person
Eine große Familientasche klingt effizient, funktioniert aber in keinem realistischen Szenario:
- Sie ist zu schwer für eine Person.
- Wenn sich die Familie trennt – und das passiert bei Evakuierungen –, hat nur eine Person alles.
- Kinder fühlen sich beteiligt, wenn sie ihren eigenen Rucksack haben. Das ist kein Nebeneffekt, sondern psychologisch der wichtigste Punkt.
Also: jedes Familienmitglied ein eigener Rucksack mit der Grundausstattung, dazu altersgerechte Ergänzungen. Die Dokumentenmappe und das Bargeld trägt ein Erwachsener, aber beide Erwachsenen sollten wissen, wo sie sind, und es sollte eine Kopie geben.
Gewicht: Für Kinder gilt dasselbe Prinzip wie für Erwachsene – tragbar heißt, das Kind kann damit eine Weile gehen, ohne zu klagen. Lieber zu leicht als zu schwer. Ein Kind, das seinen Rucksack ablegt, hat gar keinen mehr.


Checklisten nach Alter
Säuglinge und Kleinkinder bis 3 Jahre
Hier trägt ohnehin ein Erwachsener. Der Bedarf ist der höchste von allen und am wenigsten improvisierbar:
| Position | Hinweis | |
|---|---|---|
| ☐ | Nahrung: Fertigmilch, Gläschen, Brei | Was Ihr Kind kennt. Umstellung in einer Stresssituation ist keine gute Idee. |
| ☐ | Fläschchen, Sauger, Löffel | |
| ☐ | Windeln für mindestens 3 Tage, Feuchttücher, Wechselunterlage | Der Punkt, der am häufigsten zu knapp bemessen wird |
| ☐ | Wechselkleidung, mehr als bei Älteren | |
| ☐ | Trage oder Tragetuch | Ein Kinderwagen kommt über Trümmer, Treppen und Schlamm nicht weit |
| ☐ | Decke, Schlafsack | |
| ☐ | Fieberthermometer, Kindermedikamente nach Absprache mit der Kinderärztin | |
| ☐ | Vertrauter Gegenstand: Schnuffeltuch, Schnuller in doppelter Ausführung | |
| ☐ | Kopie von Impfpass und Kinderuntersuchungsheft | gehört in die Dokumentenmappe |
Kindergarten- und Grundschulalter, 3 bis 10 Jahre
Eigener kleiner Rucksack. Lassen Sie das Kind mitentscheiden, was hineingeht – das erhöht die Chance erheblich, dass es ihn im Ernstfall auch trägt.
| Position | Hinweis | |
|---|---|---|
| ☐ | SOS-Kapsel oder Brustbeutel mit Name, Geburtsdatum, Anschrift und Kontaktnummern | Das BBK empfiehlt das ausdrücklich. Erhältlich in Apotheken, Drogerien und Kaufhäusern. Der wichtigste kinderspezifische Punkt. |
| ☐ | Wechselkleidung, Regenjacke, feste Schuhe | |
| ☐ | Mütze und Handschuhe oder Sonnenhut, je nach Jahreszeit | |
| ☐ | Trinkflasche, Snacks, die das Kind mag | Nicht die „vernünftigen“ – die vertrauten |
| ☐ | Kuscheltier | Kein Luxus. Ein vertrauter Gegenstand ist in einer Notunterkunft das Wirksamste gegen Panik. |
| ☐ | Knicklicht oder eigene kleine Taschenlampe | Gibt Kontrolle über eine Situation, die Angst macht |
| ☐ | Malbuch, Stifte, kleines Spiel ohne Batterien | Warten ist für Kinder das Schwerste. Malen hilft auch beim Verarbeiten. |
| ☐ | Foto der Familie, ausgedruckt | Falls das Kind sich erklären muss |
Ab etwa 10 Jahren
Das Kind packt selbst, Sie prüfen. Zusätzlich:
- Telefonnummern auf Papier – auch und besonders, wenn das Kind ein Handy hat
- Eigene Powerbank
- Wissen, wo der Treffpunkt ist und wie man dorthin kommt, ohne Navigation
- Eigenes kleines Bargeld, in kleinen Scheinen
Der Familien-Notfallplan
Ausrüstung ist das Einfache. Der Plan ist das, was tatsächlich entscheidet, und er kostet nichts.
1. Zwei Treffpunkte vereinbaren. Einen in unmittelbarer Nähe (etwa am Spielplatz oder bei Nachbarn, falls das Haus brennt) und einen entfernten (bei Verwandten im nächsten Ort, falls das Viertel evakuiert wird). Beide Orte müssen Kinder kennen und benennen können.
2. Eine Kontaktperson außerhalb der Region. Wenn vor Ort nichts funktioniert, ruft jeder dieselbe Tante in einer anderen Stadt an. So erfahren Sie, wo die anderen sind. Die Nummer gehört in jede SOS-Kapsel und auf jede Papierliste.
3. Festlegen, wer wen abholt. Kita, Schule, Hort: Wer holt ab, wenn ein Elternteil nicht erreichbar ist? Die Einrichtung muss die Person kennen und auf der Abholliste haben. Fragen Sie außerdem, welchen Notfallplan die Einrichtung selbst hat – die meisten haben einen, aber kaum ein Elternteil kennt ihn.
4. Warn-App installieren. NINA liefert amtliche Warnungen. Mit der Notruf-App nora kann man einen Notruf absetzen, ohne zu sprechen – relevant für Kinder, die aus Angst nicht reden können.
5. Sirenensignale erklären. Einmal besprechen, dann weiß es jeder:
- Eine Minute auf- und abschwellender Heulton = Gefahr, informieren Sie sich (Radio, Warn-App).
- Eine Minute Dauerton = Entwarnung, Gefahr vorbei.
6. Ort des Notgepäcks zeigen. Alle, auch Kinder. Nicht im Keller – bei Hochwasser rät das BBK ausdrücklich davon ab, den Keller zu betreten.
Mit Kindern über Krisen sprechen
Dieser Teil fehlt in fast jeder Packliste, obwohl er der wirksamste ist. Das BBK widmet ihm im aktuellen Ratgeber ein eigenes Kapitel, und die Empfehlungen sind brauchbar konkret.
Kinder bekommen Krisen ohnehin mit – über Schule, Freunde, Nachrichten, Gespräche von Erwachsenen. Die Frage ist nicht, ob man darüber redet, sondern ob sie es mit Ihnen oder ohne Sie verarbeiten.
Jedes Kind reagiert anders. Manche haben Konzentrationsschwierigkeiten oder Albträume. Manche wirken ängstlich oder gereizt. Andere zeigen zunächst gar keine Reaktion – auch das ist normal und kein Grund zur Erleichterung oder zur Sorge.
Was hilft:
- Zuhören, wenn das Kind fragt. Oft fragen Kinder von allein, wenn sie etwas beschäftigt.
- Offen und ehrlich antworten, so sachlich und einfach wie möglich. Nicht beschönigen, aber auch nicht ausmalen.
- Keine Gespräche aufdrängen. Will das Kind nicht reden, ist das in Ordnung.
- Eigene Sorge erklären, statt sie zu verbergen. Kinder spüren sie sowieso. Wenn Sie benennen, warum Sie besorgt sind, lernt das Kind, dass Unsicherheit normal und aushaltbar ist.
- Positive Botschaften geben: „Wir passen auf dich auf.“ „Wir sind für dich da.“ „Wir sind gut vorbereitet.“
- Jüngere Kinder ausdrücken lassen – über Malen, Schreiben oder Spiel, nicht nur über Worte.
- Gemeinsam packen. Das ist der eigentliche Trick: Wenn ein Kind seinen eigenen Rucksack packt, verwandelt sich ein diffuses Bedrohungsgefühl in eine konkrete, lösbare Aufgabe. Vorbereitung reduziert Angst – nicht die Ausrüstung selbst, sondern das Erlebnis von Handlungsfähigkeit.
Deshalb auch kein Alarmismus. Szenarien von Plünderungen und zusammenbrechender Ordnung haben in Gesprächen mit Kindern nichts zu suchen – und in behördlichen Vorsorgeempfehlungen stehen sie auch nicht.
Wenn Sie sich Sorgen machen: Kinderärztin, Beratungsstellen oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten können unterstützen. Kostenfreie Beratung für Eltern, Jugendliche und Kinder bietet nummergegenkummer.de.
Die Fehler, die Familien typischerweise machen
Dem Kind das Erwachsenen-Set in klein geben. Ein Kind braucht keine Multitools und keine Signalpfeife. Es braucht SOS-Kapsel, vertraute Dinge, etwas zu trinken und eine Beschäftigung.
Kleidergrößen nicht nachziehen. Kinder wachsen schneller, als man den Rucksack prüft. Die Jacke von vor zwei Jahren ist nutzlos. Mit in den Halbjahres-Check.
Nichts erklären. Ein Rucksack, den das Kind nie gesehen hat, in einer Situation, über die nie gesprochen wurde – das erzeugt Angst, statt sie zu nehmen.
Haustiere vergessen. Für Kinder ist das Tier Familie. Ein Notgepäck ohne Vorsorge für den Hund ist für ein Kind kein vollständiges Notgepäck. → Notgepäck für Haustiere
Alles auf einmal wollen. Fangen Sie mit der SOS-Kapsel und dem Treffpunkt an. Das sind zwei Stunden Arbeit und der größte Teil des Nutzens.

Häufige Fragen
Was gehört in ein Notgepäck für Kinder? Zur Grundausstattung kommen: SOS-Kapsel oder Brustbeutel mit Name, Geburtsdatum und Anschrift, Wechselkleidung und feste Schuhe, Trinkflasche und vertraute Snacks, ein Kuscheltier oder anderer vertrauter Gegenstand, Knicklicht oder kleine Taschenlampe sowie Malbuch und Stifte. Bei Säuglingen zusätzlich Nahrung, Fläschchen, Windeln für mehrere Tage und eine Trage.
Was ist eine SOS-Kapsel? Eine kleine verschließbare Kapsel, die ein Kind an einer Kette oder im Brustbeutel trägt und die Name, Geburtsdatum, Anschrift und Kontaktnummern enthält. Das BBK empfiehlt sie für Kinder ausdrücklich. Erhältlich in Apotheken, Drogerien und Kaufhäusern.
Ein Rucksack für die Familie oder einer pro Person? Einer pro Person. Eine Familientasche ist zu schwer für eine Person, und bei einer Trennung hat nur einer alles Wichtige. Für kleine Kinder trägt ein Erwachsener den Inhalt, aber als eigenes Paket.
Wie schwer darf der Rucksack eines Kindes sein? Es gibt keine amtliche Grenze. Maßstab: Das Kind muss ihn über eine längere Strecke selbst tragen wollen und können. Einmal 20 Minuten damit spazieren gehen zeigt zuverlässiger als jede Formel, ob das Gewicht passt.
Ab welchem Alter sollte man mit Kindern darüber sprechen? Sobald Kinder Fragen stellen – und die kommen meist von allein. Wichtiger als das Alter ist die Art: sachlich, einfach, ehrlich, ohne Gespräche aufzudrängen. Gemeinsames Packen ist für Kinder der leichteste Zugang zum Thema.
Mein Kind hat Angst, nachdem wir darüber gesprochen haben. Was nun? Die meisten Reaktionen auf Krisenthemen sind normal. Hilfreich sind Routinen, Nähe und das Gefühl, selbst etwas tun zu können. Wenn die Belastung anhält, sprechen Sie mit der Kinderärztin oder einer Beratungsstelle; kostenfreie Beratung bietet nummergegenkummer.de.
Medizinischer Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt keine medizinische oder psychologische Beratung. Medikamente für Kinder nur in Absprache mit der Kinderärztin oder dem Kinderarzt. Im Notfall: 112.
Quellen
- BBK: „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“, 2. Auflage, Stand 11/2025 – Kapitel „Mit Kindern über Krisen sprechen“, „Notgepäck griffbereit haben“, „Warnungen erhalten und verstehen“
- BBK: „Wenn es schnell gehen muss: Das Notgepäck“ (SOS-Kapsel, Brustbeutel)
- nora Notruf-App: nora-notruf.de
- Abgerufen am 02.10.2026
