Warnungen in Deutschland: wie Sie sie erhalten und verstehen

Redaktion · Zuletzt geprüft: Oktober 2026 Kurz gesagt: Der Staat warnt über mehrere Kanäle gleichzeitig — den sogenannten Warnmittel-Mix. Die beiden wichtigsten auf dem Handy sind die Warn-App NINA, für die Sie Ihre Orte abonnieren müssen, und Cell Broadcast, der ohne App und ohne Internet jedes empfangsfähige Mobiltelefon in einer Funkzelle erreicht. Dazu kommen Radio, Fernsehen und Sirenen. Die Sirene sagt nicht, was passiert ist: Ein eine Minute lang auf- und abschwellender Heulton bedeutet „Gefahr, informieren Sie sich“, ein eine Minute lang gleichmäßiger Dauerton bedeutet Entwarnung.

Wie eine Warnung bei Ihnen ankommt

Hinter allen Kanälen steht ein System: das Modulare Warnsystem des Bundes (MoWaS). Eine zuständige Behörde gibt die Meldung einmal ein, MoWaS verteilt sie an alle angeschlossenen Kanäle gleichzeitig.

Angeschlossen sind unter anderem:

  • die Warn-Apps NINA, KATWARN und BIWAPP sowie einige regionale Apps
  • der Mobilfunkdienst Cell Broadcast
  • Rundfunk- und Fernsehanstalten, Zeitungsredaktionen, Onlinedienste
  • digitale Stadtinformationstafeln und Informationssysteme der Deutschen Bahn

Alle über MoWaS verbreiteten Warnungen erscheinen zusätzlich auf der amtlichen Seite warnung.bund.de.

Was nicht zentral läuft: Sirenen und Lautsprecherwagen werden in der Regel von den Kommunen ausgelöst. Künftig sollen auch Sirenen an MoWaS angebunden werden.

Warum mehrere Kanäle? Weil jeder einzelne ausfallen kann. Bei einem Stromausfall fällt irgendwann das Mobilfunknetz aus — und damit Apps und Cell Broadcast gleichzeitig. Dann bleiben Radio und Sirene. Genau deshalb gehört ein batterie-, solar- oder kurbelbetriebenes Radio in jeden Haushalt, und das Autoradio zählt mit.

Smartphone, Radio und Notgepäck für Warnmeldungen bereitgelegt

NINA und Cell Broadcast: der Unterschied

Beide landen auf dem Handy, funktionieren aber grundverschieden.

Warn-App NINACell Broadcast
InstallationApp nötignichts zu installieren
Internet nötigjanein
Wer wird erreichtwer die App hat und den Ort abonniert hatjedes empfangsfähige Gerät in der Funkzelle
OrtsbezugIhre abonnierten Orte, unabhängig davon, wo Sie sinddie Funkzelle, in der Sie sich gerade befinden
Bei Stummschaltungabhängig von den EinstellungenAlarmsignal auch bei lautlos
UmfangWarnung plus ausführliche Informationen und Handlungshinweisekurze Textmeldung
Abschaltbarjahöchste Warnstufe immer, niedrigere Stufen abschaltbar

Die Konsequenz: Beides ergänzt sich. Cell Broadcast weckt Sie zuverlässig, auch wenn das Handy stumm ist und Sie nie eine App installiert haben — aber nur dort, wo Sie gerade sind. NINA informiert ausführlicher und auch über Orte, an denen Sie nicht sind, zum Beispiel den Wohnort der Eltern.

Cell Broadcast ist seit Februar 2023 bundesweit verfügbar. Ältere Geräte oder bestimmte Systemeinstellungen können den Empfang verhindern — deshalb ist der Bundesweite Warntag der sinnvolle Termin, das einmal zu überprüfen.

NINA oder nora? Zwei Apps, die oft verwechselt werden

Die Namen sind ähnlich, die Funktionen sind entgegengesetzt.

NINAnora
RichtungSie empfangen amtliche WarnungenSie senden einen Notruf
ZweckInformation bei GefahrenlagenNotruf an Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienst
Für wenalleinsbesondere Menschen, die nicht sprechen oder hören können
Wann installierenjetztjetzt — im Notfall ist keine Zeit für Registrierung

Merkhilfe: NINA bringt Nachrichten, nora ist der Notruf. Wer für gehörlose oder sprachbehinderte Angehörige vorsorgt, sollte nora vorher einrichten — die App erfordert eine Registrierung mit Adresse, und die will man nicht im Ernstfall ausfüllen.

Smartphone, Radio und Taschenlampe für Warnmeldungen auf dem Küchentisch

Die Sirenensignale

SignalBedeutungWas Sie tun
1 Minute auf- und abschwellender HeultonGefahrRadio einschalten, Warn-App prüfen, Nachbarn informieren, Türen und Fenster schließen
1 Minute gleichmäßiger DauertonEntwarnungDie Gefahr ist vorbei

Der entscheidende Punkt: Die Sirene nennt nicht die Gefahr. Sie ist ein Weckruf, kein Lagebericht. Was zu tun ist, erfahren Sie über Radio, Warn-App oder Lautsprecherwagen — und das kann je nach Lage das Gegenteil sein: Bei Gasaustritt im Freien gehen Sie ins Gebäude und nach oben, bei Hochwasser nach oben und auf keinen Fall in den Keller, bei Explosionsgefahr dagegen nach unten.

Was in welcher Lage richtig ist: Schutz suchen und die Regel der 2 Wände

Nicht jede Gemeinde hat Sirenen. Nach dem Kalten Krieg wurden viele abgebaut; der Wiederaufbau läuft regional unterschiedlich. Verlassen Sie sich nicht darauf, dass Sie eine hören werden.

Der Bundesweite Warntag

Einmal im Jahr wird das ganze System getestet — am zweiten Donnerstag im September.

  • Letzter Warntag: 10. September 2026 (der sechste insgesamt). Probewarnung gegen 11:00 Uhr, Entwarnung gegen 11:45 Uhr.
  • Nächster Warntag: 9. September 2027.

Der Ablauf: Gegen 11 Uhr löst das BBK über MoWaS eine Probewarnung aus, die Warnmultiplikatoren verteilen sie zeitversetzt an Fernseher, Radios und Smartphones. Parallel testen teilnehmende Länder und Kommunen ihre eigenen Kanäle, etwa Sirenen oder Lautsprecherwagen. Für die Bevölkerung besteht keine Gefahr und kein Handlungsbedarf.

Nutzen Sie den Tag als Funktionsprüfung. Drei Dinge, die Sie dabei herausfinden:

  1. Kommt Cell Broadcast auf Ihrem Gerät an? Wenn nicht: Systemeinstellungen zu Notfallbenachrichtigungen prüfen, Gerätealter beachten.
  2. Hat NINA Ihre Orte korrekt abonniert — Wohnort, Arbeitsort, Wohnort der Angehörigen?
  3. Hören Sie bei Ihnen eine Sirene? Die Antwort bestimmt, wie sehr Sie auf Handy und Radio angewiesen sind.

Wichtig: Das Handy an diesem Tag nicht stummschalten, sonst testen Sie nichts.

Zehn Minuten Einrichtung, einmal

Was Sie heute erledigen können und danach nie wieder:

  1. NINA installieren und die Orte abonnieren, die zählen: Wohnort, Arbeitsort, Schule oder Kita der Kinder, Wohnort der Eltern.
  2. Benachrichtigungen erlauben und die Warnstufen nicht herunterdrehen.
  3. Cell Broadcast nicht deaktivieren — in den Systemeinstellungen unter Notfallbenachrichtigungen prüfen.
  4. nora installieren und registrieren, wenn Sie oder Angehörige im Notfall nicht sprechen oder hören können.
  5. warnung.bund.de als Lesezeichen — funktioniert auf jedem Gerät ohne App.
  6. Radio mit Batterie, Solar oder Kurbel besorgen und Batterien dazu. Der einzige Kanal, der einen längeren Stromausfall übersteht.
  7. Wichtige Nummern auf Papier ins Notgepäck oder an den Kühlschrank.

Mehrsprachigkeit, falls relevant: Die wichtigsten Inhalte von NINA stehen auf Arabisch, Englisch, Französisch, Polnisch, Russisch, Spanisch und Türkisch zur Verfügung. Das ist ein brauchbarer Hinweis für Haushalte, in denen nicht alle gut Deutsch lesen.

Wichtige Nummern

NummerWofür
112Feuerwehr und Rettungsdienst, europaweit
110Polizei
116 117Ärztlicher Bereitschaftsdienst außerhalb der Praxiszeiten
115Behördenauskunft
0800 111 0 111 oder 116 123Telefonseelsorge, kostenfrei und rund um die Uhr

Wenn 110 und 112 nicht erreichbar sind — etwa bei einem größeren Ausfall — gehen Sie bei einem Notfall, wenn möglich, zur nächsten Polizeiwache oder ins Krankenhaus. Diese Empfehlung stammt vom BBK und ist etwas, worauf im Ernstfall kaum jemand von selbst kommt.

Warnungen weitergeben

Ein Punkt, der in den amtlichen Empfehlungen auffällig oft steht und oft überlesen wird: Geben Sie Warnungen weiter. An Nachbarschaft, Familie, Freundes- und Kollegenkreis.

Der Grund ist einfach: Nicht alle haben eine App, nicht alle hören die Sirene, nicht jedes Gerät empfängt Cell Broadcast. Die informelle Weitergabe ist Teil des Warnmittel-Mix — nicht als Nettigkeit, sondern als Funktion. Wer ältere Nachbarn hat, ist für diese unter Umständen der einzige funktionierende Warnkanal.

Batterieradio und Notgepäck am Fenster einer Wohnung

Häufige Fragen

Was bedeuten die Sirenensignale? Ein eine Minute lang auf- und abschwellender Heulton bedeutet Gefahr: Informieren Sie sich über Radio oder Warn-App. Ein eine Minute lang gleichmäßiger Dauerton ist die Entwarnung. Die Sirene selbst nennt die Art der Gefahr nicht.

Was ist der Unterschied zwischen NINA und Cell Broadcast? NINA ist eine App, die Sie installieren und für Ihre Orte einrichten; sie liefert Warnungen samt ausführlicher Informationen, benötigt aber Internet. Cell Broadcast erreicht ohne App und ohne Internetverbindung jedes empfangsfähige Mobiltelefon in der betroffenen Funkzelle und gibt auch bei stummgeschaltetem Gerät ein Alarmsignal.

Brauche ich NINA, wenn ich Cell Broadcast habe? Beides zusammen ist sinnvoll. Cell Broadcast warnt zuverlässig dort, wo Sie gerade sind, mit kurzem Text. NINA informiert ausführlicher, enthält Handlungshinweise und warnt auch für Orte, an denen Sie sich nicht aufhalten — etwa den Wohnort von Angehörigen.

Was ist der Unterschied zwischen NINA und nora? Mit NINA empfangen Sie amtliche Warnungen. Mit nora setzen Sie einen Notruf ab — die App richtet sich besonders an Menschen, die nicht sprechen oder hören können. nora erfordert eine vorherige Registrierung und sollte deshalb vor dem Ernstfall eingerichtet werden.

Wann ist der nächste Bundesweite Warntag? Am 9. September 2027. Der Warntag findet in der Regel jährlich am zweiten Donnerstag im September statt; die Probewarnung läuft gegen 11:00 Uhr, die Entwarnung gegen 11:45 Uhr.

Wie bekomme ich Warnungen ohne Smartphone? Über Radio und Fernsehen, über die Internetseite warnung.bund.de, über Sirenen und Lautsprecherwagen sowie über digitale Stadtinformationstafeln. Für einen längeren Stromausfall ist ein batterie-, solar- oder kurbelbetriebenes Radio der verlässlichste Kanal.

Funktionieren Warn-Apps bei einem Stromausfall? Nur begrenzt. Fällt der Strom längere Zeit aus, fällt auch das Mobilfunknetz aus — damit funktionieren Apps und Cell Broadcast nicht mehr. Radio über Batterie, Solar, Kurbel oder Autoradio funktioniert weiter.

Warum habe ich beim Warntag keine Warnung erhalten? Mögliche Gründe: Cell Broadcast ist in den Systemeinstellungen deaktiviert, das Gerät ist zu alt oder unterstützt den Dienst nicht, das Handy war stummgeschaltet, in NINA ist der Aufenthaltsort nicht abonniert, oder Ihre Kommune hat an diesem Tag keine lokalen Warnmittel ausgelöst.

Hinweis: Diese Seite erklärt die Warnkanäle und gibt den Stand Oktober 2026 wieder. Sie ersetzt keine amtliche Warnung. Folgen Sie im Ereignisfall immer den Hinweisen der zuständigen Behörden. Im Notfall: 112.

Quellen

  • BBK: „Bundesweiter Warntag“ — Termine, Ablauf, Zuständigkeiten
  • Bundesregierung: „Bundesweiter Warntag 2026″ — Fragen und Antworten zum Warnmittel-Mix
  • BBK: Informationsblatt zum Bundesweiten Warntag — Cell Broadcast, NINA, Sprachen
  • BBK: „Vorsorgen für Krisen und Katastrophen“, 2. Auflage, Stand 11/2025 — Kapitel „Warnungen erhalten und verstehen“, „In der Krise informiert sein“
  • Ministerium des Inneren Baden-Württemberg: Pressemitteilung zum Warntag — an MoWaS angeschlossene Kanäle
  • warnung.bund.de
  • Abgerufen am 03.10.2026